Fallstudie

AWV

Fallstudie AWV

Gemeinsam am digitalen Plan für Flandern bauen

Wer auf flämischen Autobahnen unterwegs ist, erlebt ein beeindruckendes Stück Technik. Diese Komplexität liegt nicht nur im Straßenbelag selbst, sondern vor allem in der enormen Menge an elektromechanischen Installationen, die Sicherheit und Verkehrsfluss garantieren. Um dieses komplexe Netzwerk fit für die Zukunft zu machen, arbeitet das Amt für Straßen und Verkehr (Agentschap Wegen en Verkeer – AWV) gemeinsam mit Nordend am „Verwebungsprojekt“: ein ambitioniertes Vorhaben, bei dem jahrzehntelange Legacy-Daten mit dem modernen OTL-Standard verschmelzen.

Das Amt für Straßen und Verkehr verwaltet mehr als 7.000 Kilometer an Regionalstraßen und Autobahnen. Diese Verwaltung endet nicht beim Asphalt, sondern erstreckt sich über ein gigantisches Arsenal an Assets. Denken Sie an intelligente Ampelsysteme, Kameras zur Vorfallerkennung, dynamische Überkopfanzeigen (RSS), Pumpstationen und komplexe Hochspannungsanlagen. Für eine Organisation, die sich in Richtung einer assetgesteuerten Verwaltung entwickelt, sind genaue und gut strukturierte Daten von entscheidender Bedeutung. Doch diese Daten waren bis vor kurzem über verschiedene Systeme mit jeweils eigener Logik verteilt.

„Zu wissen, dass es jemanden gibt, der proaktiv mitdenken und Lösungen ausarbeiten kann, die vollständig maßgeschneidert sind, ist ein enormer Mehrwert. In diesem Prozess wurde viel Fachwissen aufgebaut und ein großes Vertrauen ist gewachsen.“

David Vlaminck, Teamleiter Datenanalyse beim AWV

Die Herausforderung

Auf dem Weg zu einer „Single Source of Truth“

In der Vergangenheit wurden Assets in sogenannten „EM-Legacy-Datenbanken“ registriert. Mit dem Aufkommen von BIM (Building Information Modelling) und dem Bedarf an detaillierteren Informationen führte das AWV die Object Type Library (OTL) ein. Dabei handelt es sich um ein strenges, objektorientiertes Datenmodell, das exakt definiert, wie jede Komponente der Infrastruktur beschrieben werden muss.

Die Herausforderung? Die alte und die neue Welt existierten nebeneinander. Viele Assets waren sowohl in den Legacy-Systemen als auch im neuen OTL-Modell vorhanden. Dies führte zu Überschneidungen, Inkonsistenzen und dem Risiko widersprüchlicher Informationen. Für einen Verwalter, der sich blind auf sein Inventar verlassen muss, war dies ein unhaltbarer Zustand.

„Die Bearbeitung der Verwebung is einer der entscheidenden Schritte, die das AWV unternimmt, um sein Inventar zu standardisieren“, erklärt David Vlaminck, Teamleiter Datenanalyse beim AWV. „Dies ist notwendig, um unseren Austausch mit Auftragnehmern zu rationalisieren und unsere assetorientierte Arbeit für die Zukunft auf einer standardisierten Basis zu untermauern.“

Verflochtene Ressourcen

Präzision statt „Big Bang“

Das einfache Verschieben von Daten von A nach B war keine Option. Es galt, rund 200 verschiedene technische Asset-Typen zu berücksichtigen – von einfachen Sensoren bis hin zu komplexen Verkehrssteuerungssystemen. Zudem sind die Daten ständig im Einsatz: Die Verkehrszentrale steuert damit die Anzeigen über den Straßen, und Wartungsteams bereiten damit Reparaturen vor. Ein Fehler bei der Migration könnte unmittelbare Folgen für die Verkehrssicherheit haben.

Deshalb entschieden sich das AWV und Nordend für einen schrittweisen Ansatz. Anstatt einer riskanten „Big Bang“-Migration werden die Assets Typ für Typ „verwebt“. Dabei werden die Altdaten nicht einfach ersetzt, sondern intelligent mit den OTL-Daten zusammengeführt. Wichtige Informationen wie der eindeutige Namenspfad (die hierarchische Position eines Assets in der Baumstruktur) müssen erhalten bleiben, während die technischen Eigenschaften dem neuen Standard zugeordnet werden.

„Nordend hat uns wirklich dabei begleitet, wie wir dieses Vorhaben prozesstechnisch angehen mussten. Sie beherrschen die Technologie, leisten aber auch Prozessbegleitung und trauen sich, uns herauszufordern.“

Christophe Vanvinckenroye, Berater für digitale Transformation beim AWV

Kernlösung

FME als Motor der Migration

Als Value Added Reseller von Safe Software war Nordend der ideale Partner, um diesen technologischen Kraftakt zu begleiten. Das Herzstück der Lösung bilden FME-Workflows (Form und Flow), ein weltweiter Standard für ETL-Prozesse. Nordend entwickelte automatisierte Abläufe, die Daten aus den Quellen abrufen, sie einer Reihe von Validierungen und Transformationen unterziehen und sie anschließend über das DAVIE-Portal gemäß dem OTL-Standard bereitstellen.

Um die enorme Datenmenge handhabbar zu machen, nutzt Nordend eine PostGIS-Datenbank als Puffer. Dies ermöglicht historische Vergleiche und eine präzise Überwachung des Migrationsfortschritts. Zudem können die Daten über komplexe Abfragen analysiert werden, was bisher beim direkten Zugriff auf die AWV-Datenbank über die API nur schwer möglich war. Caroline Van Gucht, Expertin bei Nordend, erklärt: „Wir erstellen umfangreiche Berichte, die es den Business-Experten des AWV ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Sobald sie eine Entscheidung in den Berichten validieren, sorgt unsere Automatisierung dafür, dass die Daten in den Zielsystemen aktualisiert werden. So behalten wir die menschliche Kontrolle, wo sie nötig ist, eliminieren aber manuelle Verarbeitungsfehler.“

Prozessarchitekten

Strategische Partnerschaft

Was die Mitarbeiter von Nordend auszeichnet, ist, dass sie nicht nur Aufträge ausführen. Sie agieren als Prozessarchitekten, die die gesamte Logik hinter den Assets verstehen. In einer Umgebung wie dem AWV, in der sich der OTL-Standard ständig weiterentwickelt, ist dies unerlässlich. Nordend berät proaktiv bei der Anpassung des Datenmodells, wenn die Praxisdaten nicht nahtlos in die theoretische Struktur passen.

Christophe Vanvinckenroye, Berater für digitale Transformation beim AWV, betont den Wert dieser Zusammenarbeit: „Für diesen Prozess brauchen wir Partner, die nicht nur die Technologie beherrschen, sondern auch die Prozessbegleitung übernehmen und uns herausfordern. Nordend hat uns durch die Übung geführt, wie wir diesen Prozess angehen müssen, um diese 200 Techniken zu verweben. Sie beherrschen nicht nur die Technologie, sondern denken wirklich mit uns mit.“

Diese enge Zusammenarbeit findet in „gemischten Teams“ statt. Die Experten von Nordend sitzen – physisch und digital – mit den Projektingenieuren und Aufsehern des AWV an einem Tisch. Dadurch verstehen sie nicht nur die Zeilen und Spalten in der Datenbank, sondern auch die physische Realität eines Schaltschranks am Straßenrand oder einer Hochspannungskabine.

Genauigkeit ist entscheidend

Daten mit hoher Relevanz für ein sichereres Flandern

Der Einsatz beim Verwebungsprojekt ist hoch. Korrekte Daten sind hier gleichbedeutend mit Sicherheit. Für die Verkehrszentrale sind die von Nordend verarbeiteten Assets die „Augen“ auf der Straße. Wenn eine Kamera zur Vorfallerkennung falsch registriert ist, kann dies die Reaktionszeit bei einem Unfall verzögern.

Die Genauigkeit ist auch für die Sicherheit der Techniker vor Ort entscheidend. Bei Arbeiten an elektrischen Anlagen müssen sie sich blind auf die Daten zu Anschlüssen und Komponententypen verlassen können. Darüber hinaus haben die Daten eine große rechtliche und finanzielle Bedeutung: Sie bilden die Grundlage für Ausschreibungen und das Inventar, das externen Auftragnehmern für Wartungsverträge zur Verfügung gestellt wird. Fehlerhafte Daten führen unweigerlich zu Mehrarbeit und juristischen Diskussionen.

Langfristiger Prozess

Bereit für 2026 und darüber hinaus

Das Verwebungsprojekt ist ein langfristiges Vorhaben, dessen Abschluss für 2026 geplant ist. Bis dahin wird das gesamte elektromechanische Inventar des AWV in einen einheitlichen, zukunftssicheren Datensatz transformiert worden sein. Das Ergebnis wird eine Organisation sein, die keine Zeit mehr mit der Lösung von Datenkonflikten verliert, sondern ihre gesamte Energie in die optimale Verwaltung der flämischen Straßen stecken kann.

David Vlaminck blickt zufrieden nach vorn: „Ein Projekt wird Nordend immer finden, denn beim AWV stehen wir ständig vor neuen Herausforderungen. Zu wissen, dass es jemanden gibt, der proaktiv mitdenkt und maßgeschneiderte Lösungen entwickelt, ist ein enormer Mehrwert. In diesem Prozess wurde viel Fachwissen aufgebaut und ein großes Vertrauen ist gewachsen.“

Mit diesem Projekt beweisen das AWV und Nordend, dass die digitale Transformation unserer Infrastruktur nicht nur aus neuen Sensoren oder smarter Software besteht, sondern vor allem aus dem sorgfältigen und fachgerechten Knüpfen eines zuverlässigen Datenfundaments.

Herausforderungen

  • Inkonsistenzen beseitigen zwischen den EM-Legacy-Daten und dem neuen OTL-Standard ohne Datenverlust.
  • Prozessgesteuertes Mapping und Migration von rund 200 verschiedenen technischen Asset-Typen.
  • Migration im laufenden Betrieb, während die Systeme rund um die Uhr von der Verkehrszentrale und den Wartungsteams genutzt werden.
  • Übersetzung eines flexiblen historischen Systems in die starre, objektorientierte Struktur der Object Type Library (OTL).

Ergebnisse

  • Eine zentrale, zuverlässige und zukunftssichere OTL-Datenbank als „Single Source of Truth“, in der alle Assets des AWV eindeutig über das DAVIE-Portal verwaltet werden.
  • Leistungsstarke FME-Workflows, die komplexe Beziehungen zwischen Assets automatisch erstellen und validieren, was die Durchlaufzeit drastisch verkürzt.
  • Eine zuverlässige Informationsquelle für die Verkehrszentrale und die Techniker vor Ort, die die Risiken bei Einsätzen stark reduziert.

Lösungen & Technologien

  • FME Form & FME Flow
  • PostGIS
  • OTL (Object Type Library)
  • DAVIE-Portal
  • Zusammenarbeit in gemischten Teams